Die Schule als Familienunternehmen

26. Mai 2016 - Helmstedter Nachrichten

Bahrdorf - Der Rektor der Marienkäferschule erklärt, was die Einrichtung auszeichnet.

Von Erik Beyen

Eine der Koch-Gruppen mit den Leiterinnen Anja Runkehl und Angelika Würfel.

Foto: Erik Beyen

Das Ganztagsangebot an der Grundschule in Bahrdorf gibt es seit knapp zwei Jahren. Nun soll das Gebäude saniert werden. Ein Plan, der nicht von allen politischen Lagern mitgetragen wird (wir berichteten). Was also könnte, abgesehen von wirtschaftlichen, gesetzlichen und politischen Faktoren, für diese Schule sprechen? Eine Spurensuche.

Es ist Montag, 14 Uhr. Schulleiter Jörn Scherbanowitz gleicht in seinem Zimmer das Budget des Landes mit den tatsächlichen Kosten für die pädagogischen Mitarbeiter ab. Der Verwaltungsaufwand, sagt er, sei enorm. 12 000 Euro bekommt er im Jahr vom Land, 17 Lehrerstunden pro Woche, und das bei 30 bis 40 Ganztagskindern pro Tag – fünf Tage in der Woche. Eine Rechnung, die nicht aufgehe. Immerhin stünden den Kindern allein elf verschiedene Arbeitsgemeinschaften zur Verfügung. 71 von derzeit 102 Kindern nehmen laut Schulleiter das Angebot wahr und bleiben bis 15 beziehungsweise 16 Uhr in der Schule. Die Samtgemeinde hilft, erzählt der Sportlehrer, zum Beispiel in Form von vier Kräften.

Während Scherbanowitz über administrative Details spricht, tischt ein paar Räume weiter eine von zwei Koch-Arbeitsgemeinschaften auf: Kartoffelgratin mit Gurkensalat sowie Obstsalat und selbst gemachte Marmelade stehen auf dem Speiseplan. Angelika Würfel und Anja Runkehl leiten die AG mit 24 Kindern. Pädagogischer Hintergrund? „Nun“, sagt Hauswirtschaftsmeisterin Würfel, „hier geht es um das gemeinsame Erlebnis, auch aus einfachen Zutaten ein leckeres Essen zaubern zu können.“ Offenbar erfolgreich: Heide Müller, Sozialpädagogin und sozusagen die organisatorische rechte Hand für das Ganztagsangebot, erzählt von einem Vater, dessen Sohn sich seit seiner Teilnahme an der Koch-AG in der heimischen Küche mehr und mehr wohlfühle. Kochen ohne den Junior? Ausgeschlossen. Ein Drittel ihrer Leckereien, die die Kinder kochen und backen, verteilen sie übrigens an die anderen.

Die Marienkäferschule ist in das Dorf integriert, sie wird wahrgenommen. Leiter Jörn Scherbanowitz hat sie einst selber besucht, lebt im Dorf. Er ist bekannt.

Es sei wohl diese Verbundenheit, die die Suche nach geeignetem Personal für das Ganztagsangebot erleichtere. So sei das auch bei Kerstin Schmidtke gewesen. Sie leitet die AG Handarbeit. Mit sieben Mädchen und einem Jungen strickt, stickt, häkelt und näht sie, was Nadel und Faden so hergeben: einen echten Bolero, eine feine Tischdecke, Taschen, Puppen… Im Klassenraum der 1a herrscht entspannte Ruhe, und das kurz vor 16 Uhr. Marcel heißt übrigens der einzige Junge. Er nutzt jeden Tag ein anderes AG-Angebot. Das „sich stets weiter entwickelnde Familienunternehmen Schule“, wie Scherbanowitz es liebevoll nennt, mache es möglich, weil alle an einem Strang zögen, und: „Wir haben selber Kinder“, ergänzt Heide Müller. Man wisse um die Zwänge, Sorgen und Nöte von Eltern.