Die Grundschule soll wachsen – nach innen

23. Mai 2016 - Helmstedter Nachrichten

Bahrdorf - Der Schulausschuss will eine Sanierung für 1,7 Millionen Euro.

Von Erik Beyen

Schulleiter Jörn Scherbanowitz an der Zusammenstellung von Defiziten der Schule. Sein Kollegium hat aufgeschrieben, was fehlt.

Foto: Erik Beyen

Die Grundschule am See in Groß Twülpstedt steht baulich gut da, ihr Pendant in Danndorf ebenso, nur die Schule in Bahrdorf hinkt hinterher. Das soll sich nach dem Willen des Samtgemeinde-Schulausschusses ändern. Dessen Mitglieder beschlossen die Sanierung der Marienkäferschule für etwa 1,7 Millionen Euro. Sie zogen damit den Unmut des Grünen Dietrich Hansmann auf sich. Der zweifelte am Sinn sowie den Kosten der Maßnahme und plädierte, dem nächsten Rat die Entscheidung über das Bauvorhaben zu überlassen. Das sieht man im Velpker Rathaus als Wahlkampftaktik. Die Grünen sprechen sich seit vielen Jahren für die Zusammenlegung von Grundschulen zugunsten eines Standorts in Velpke aus.

Ausgangspunkt der Planungen waren Auflagen zur Verbesserung des Brandschutzes. 900.000 Euro sollten die Maßnahmen kosten. Doch sie hätten ein Kernproblem der Schule nicht gelöst: den Platzmangel. Kein Förderraum im inklusiven Sinne, keine Lehrer-PC-Arbeitsplätze, kein Besprechungsraum, kein angemessener Sanitätsbereich, kein Raum für den Hausmeister, kein abschließbarer Raum für Pausenspielgeräte, die Mensa ist beengt, die Toiletten befinden sich außerhalb, und so weiter.

Die Liste der Unzulänglichkeiten am Gebäude der Grundschule ist lang. Weil man aber am Standort Bahrdorf festhalten will, haben Verwaltung, Schule und das Planungsbüro Kuhn aus Braunschweig einen Gesamtblick auf das Gebäude riskiert. Die entscheidende Idee kam letztlich von Heike Behrens. Sie schlug vor, das Gebäude nach innen wachsen zu lassen, denn dort befindet sich zur Zeit ein ungenutztes Atrium. Im Ergebnis gewinnen der Ganztags- und der Inklusionsbereich, zum Beispiel durch Förderräume, die von zwei Klassenräumen aus begehbar sind. Im Erdgeschoss ist eine barrierefreie Toilette geplant, und im Zweifel, sagt Schulleiter Jörn Scherbanowitz, würde eine Inklusionsklasse im Erdgeschoss unterrichtet. Er bezieht den Inklusionsgedanken nicht allein auf die Barrierefreiheit.

Dietrich Hansmann fehlten konkrete Ansätze für eine barrierefreie Schule, Aufzüge in das Obergeschoss, gut zugängliche Toiletten, ein Wickelraum, und so weiter. Auch an eine energetische Sanierung habe man nicht gedacht. Darum fürchte er, dass es letztlich nicht bei 1,7 Millionen Euro Kosten bleiben werde. Wenn man sich damit denen eines Neubaus nähere, dann … Diesen Satz vervollständigte er nicht. Allerdings brachte Hansmann damit Gemeindedirektor Rüdiger Fricke gegen sich auf. Er solle doch endlich sagen, dass er die Schule schließen will. Detlef Pilzecker (CDU) sprach für die Ausschussmehrheit und stellte sich hinter die Sanierung: „Wir bringen das jetzt auf den Weg.“

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